Eine Abscheulichkeit an Kitsch und moraliner Übertreibung, die vielleicht nur Disneyland-erprobte Amerikaner nachvollziehen können. Apropos: Ausstattung und Szenenbild erscheinen wie ein Trip durch Disneyland auf LSD, gewürzt mit viel zu viel schlechtem CGI. Was im originalen Wizard of Oz noch zauberhaften Charme hatte, wird in "Wicked" zum massenmedialen Abklatsch.
Die Feel-Good-Story von "Sei, wer du bist" ist in Wahrheit nichts weiter als Fake, denn ausgerechnet in den USA kommt man nur weiter, wenn man sich dem Galinda-Weg verschreibt und möglichst kompatibel agiert. Der American Dream, nach dem angeblich jeder alles erreichen kann, ist nichts als eine große Lüge, die der Film blindwütig repetiert. Ein weiteres Ärgernis ist die Animal Savior-Nebenhandlung – eine scheinheilige Botschaft in einem Film aus einem Land, das die Massentierhaltung erfunden hat.
Dass hier alles künstlich und aufgesetzt wirkt, bestätigt sich auch in der Musik. Die Songs sind auf Massentauglichkeit getrimmt, komplett bieder und spießig und wärmen lediglich Disneys Musical-Hits als hübsch herausgeputzte Pop-Bonbons auf. Das ist nicht nur uninspiriert, sondern auch ärgerlich, weil heutzutage offenbar nur noch erfolgreich ist, was keinem wehtut.
Und dann zieht sich diese kitschige Qual auch noch zweieinhalb öde lange Stunden – und das ist nur der erste Teil! Was soll da noch kommen? Viele der Musical-Nummern, so nichtssagend sie auch sein mögen, haben zudem nur Füllmaterial-Charakter. Sie tragen nichts zur Story bei, sondern verstärken nur den nervigen Overkill an Kitsch und Fake. Auch die Tanz-Choreografien sind enttäuschend. Sie sind so kreativ wie ein TikTok-Tanz – dabei gab es ja auch mal "West Side Story", die bewies, dass Musical-Tanzszenen mitreißend und künstlerisch wertvoll sein können.
Die Handlung ist von Anfang an vorhersehbar. Alles ist schablonenhaft, alle Figuren sind Abziehbilder und agieren überzogen hölzern entlang ihrer Storyline. Das nervt und ist auf Dauer einfach nur langweilig. Unter den vielen Ärgernissen sticht schließlich noch Ariana Grande hervor, die nicht nur eine durch und durch unangenehme Figur spielen muss, sondern diese auch noch mit ihrem immer gleichen kuhäugigen Blick wenig überzeugend darstellt.
Ob ich mir den angedrohten zweiten Teil anschauen werde, muss ich mir sehr gut überlegen. Der erste macht jedenfalls nicht gerade Lust auf mehr, sondern schreit eher nach einer Detox-Kur und einem Schweigeseminar zum Runterkommen!