In einem neuen Batman-Porträt erleben wir den dunklen Ritter als Neuling im Geschäft der Verbrechensbekämpfung und nicht nur dieser Blickwinkel ist neu, wenn es um die filmische Umsetzung des Batmans auf der großen Leinwand geht, sondern die Erzählung als solche entfernt sich – ebenso wie bereits vorher Todd Phillips "Joker" – von dem üblichen Superhelden-Actionspektakel. In Matt Reeves "The Batman" erleben wir eine klassische Krimi-Geschichte, einen Psycho-Thriller, der weit eher an Filme wie "Sieben" oder "Schweigen der Lämmer" erinnert, als an CGI-Schlachten à la "Superman v Batman". Aber es wird auch ein ganz anderer Batman gezeigt, als der technisch super überlegene und beinahe schon als Yuppie daherkommende Batman von Christopher Nolan.
Der Batman von Matt Reeves ist so düster und schon beinahe depressiv, wie die Stadt, die zu schützen er sich vorgenommen hat. Alles ist grau und düster und dunkel, es regnet in einem fort und alles an Gotham wirkt verrottet und kaputt.
So auch der Protagonist, zur Überraschung vieler dargestellt von Robert Pattinson. Weshalb der für seine Leistung kritisiert wird, will sich mir nicht erschließen, in meinen Augen hat er diesen düsteren, von Ängsten bestürmten Rächer, der eben kein unverletzbarer Superheld ist, sondern von Zweifeln geplagt wird, treffend dargestellt. Auch die anderen Schauspieler agieren stark, auch wenn einige meiner Ansicht nach zu wenig Screentime bekommen, allen voran Zoe Kravitz als Catwoman, die gerne etwas mehr Szenen hätte bekommen können. Grandios ist einmal wieder Colin Farrell, der in der Maske des Penguin nicht zu erkennen ist, aber dessen Fiesheit und Schmierigkeit so gut porträtiert wurde, dass man sich Farrell als einen Mafia-Boss in einem nächsten Scorsese-Film wünscht. Das ist großartig. Dafür leider eher unnötig Andy Serkis als (Butler) Alfred, den ich nach wie vor für einen genialen Motion Capture-Schauspieler wie in "Herr der Ringe" oder "Planet der Affen" erlebt habe, der aber als Realdarsteller bisher wenig überzeugen konnte. Die Figur, die er darstellen soll, nehme ich ihm nicht ab.
Am besten gefallen hat mir an "The Batman" der Look. Gotham sah noch nie so beschissen und gleichzeitig faszinierend aus. Die Kamera inklusive Schnitt sind fantastisch, es gibt teilweise Bilder – etwa wie sich der Batman beim ersten Auftritt in Super-Zeitlupe aus dem Dunkeln herausschält oder wie er mit Signalfeuer Menschen aus den Fluten führt –, die einen magischen Sog entwickeln und nicht nur nachhaltig fesseln und weiter beschäftigen, sondern auch alles in allem das Wesen dieses neuen Batman transportieren. Dazu noch die schwermütige Musik, die einmal nicht Orchester-Geschmetter à la Hollywood Symphony Orchestra ist, sondern mit klarer Motivgestaltung arbeitet, wenn etwa der Batman zur verlangsamten Nirvana-Musik (geniale Idee!) daher kommt, während der Irrsinn des Riddler von Schuberts "Ave Maria" begleitet wird.
Der neue Batman von Matt Reeves gefällt mir ausgesprochen gut. Er ist düster und pessimistisch, aber anstelle von Superhelden-Mash-Ups erlebt man hier eine klassische Detektivgeschichte mit Psycho-Thriller-Anleihen. Das ist spannend, auch wenn die Lauflänge von 3 Stunden trotz Kurzweiligkeit vielleicht doch 30 Minuten zu lang ist. Sehr gefallen hat mir auch die Brutalität, mit der Batman in seiner Wut und seinem Frust agiert. Wenn er auf Kriminelle eindrischt, hat man nie das Gefühl, hier würde ein hehrer Held für die Gerechtigkeit kämpfen, sondern da ist ein Verletzter auf einem Feldzug und er will, wie er es auch beim ersten Auftritt sagt, Rache nehmen.
So darf man gespannt sein, was da noch kommt, denn Gerüchten zufolge wird es noch zwei weitere Filme mit The Batman geben, auf die ich mich nach diesem Film absolut freue.
1. Mal gesehen: 16.03.2022, 20:00 (Kino)
2. Mal gesehen: 19.04.2022, 22:16