Ridley Scotts jüngster Film erzählt die reale Geschichte von Maurizio Gucci, Erbe des berühmten Modehauses, und seiner Frau Patrizia Reggiani und wie diese durch ihren Eifer und letztlich ihre Gier, die ganze Gucci-Familie ins Chaos stürzt.
Ein klassisches Biopic also, das nicht nur entsprechend dem Thema sehr geschmackvoll und stylish umgesetzt wurde, sondern vor allem in Ausstattung und Musik die 1970er und 1980er Jahre sehr glaubwürdig auferstehen lässt.
Adam Driver – für mich der beste unter den aktuell aktiven Schauspielern. Es ist egal, was man ihm zu spielen gibt, er setzt alles so überzeugend um, dass man ihm jede Rolle abkauft. Wie er den ruhigen, introvertierten und oft zögerlichen, unsicheren Gucci-Erben mimt, ist großartig und sehr gelungen. Bei Lady Gaga bin ich hin- und hergerissen: Spielt sie ihre Rolle wirklich so gut oder kam bei mir beim Sehen keine Freude nur deshalb nicht auf, weil die Figur der Reggiani einfach schrecklich ist? Jeremy Irons und Al Pacino sind gewohnt gut, wobei mir allerdings das ständige ausladende Armgefuchtel des beim Dreh 81-jährigen Pacinos nach gefühlt 50 Filmen mit ähnlichen Figuren so langsam auf die Nerven geht. Jared Leto ist leider wie so oft komplett drüber. Ich kann nicht sagen, ob der von ihm dargestellte echte Paolo Gucci tatsächlich so exaltiert war oder ob Leto hier Method Acting durchspielen will. Samla Hayek ist indiskutabel wie eh. Nur weil sie mit "Frida" einmal glänzen konnte, macht sie das nicht zu einer guten Schauspielerin, sie ist stets wie ein Abziehbild. Lediglich fiel in diesem Film zumindest ihr nach 30 Jahren Hollywood noch immer gebrochenes Englisch nicht weiter auf, weil in dem Film alle mit so einem seltsamen südländischen Englisch-Sprech agieren.
Das ist auch gleichzeitig mein größter Kritikpunkt am Film: Ein Film, der von einem italienischen Familien-Imperium handelt, der meist in Mailand und anderen Orten Italiens spielt, wirkt selbst in der OV seltsam, wenn darin Englisch gesprochen wird. Das zeigt sich vor allem dann, wenn die Akteuere ab und an kleine Phrasen in Italienisch raushauen und Lady Gaga dann zum Beispiel "Che cazzo è sucesso?" (Was zum Teufel ist passiert?) brüllt oder mit anderen typischen Floskeln und Einzelwörtern Italianità verströmt wird. Aber wenn man dann schon den Film – aufgrund US-amerikanischen Casts und Crew – in Englisch dreht, weshalb müssen dann alle in so einem Gastarbeiter- Englisch sprechen? Das wirkt doof und ist komplett unnötig, nimmt dem Film auch viel Charme.
Ein weiteres Problem ist das Auf und Ab der Erzählung: Es gibt Phasen, da ist spannend mitzuerleben, wie hier mit harten Bandagen um ein Firmenimperium gefochten wurde. Und dann gibt es wieder Strecken im Film, wo die Erzählung einfach nur so dahin plätschert und es doch recht fad wird. Sehr schwierig war dann auch, dass Ridley Scott einer alten Regieweisheit folgt und versucht, Geschehnisse zu zeigen, anstatt sie zu erzählen ("Show, don\'t tell!"), man so aber die Komplexität der vor allem wirtschaftlichen Ereignisse rund um den Konzern kaum erfassen und verstehen kann.
Alles in allem deshalb ein durchaus sehenswerter Film, der aber in einigen Punkten doch recht deutliche Schwächen zeigt.